Die U-Boot-Bunker in Lorient wurden während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag der Wehrmacht unter Leitung der Organisation Todt (OT) gebaut. Im U-Boot-Krieg war der Hafen der französischen Stadt Lorient am Fluss Blavet, ca. 5 km von dessen Mündung in den Golf von Biskaya entfernt, von Juni 1940 bis August 1944 größter Stützpunkt für die U-Boote der Kriegsmarine.

Die Bunkeranlagen erstreckten sich über mehrere Komplexe. Sie unterschieden sich insbesondere durch zwei außergewöhnliche Konstruktionen von allen anderen durch die Deutschen errichteten U-Boot-Bunkern des Zweiten Weltkriegs:

  • Die Slipanlage mit Drehscheibe und zwei sog. Dombunkern
  • Die Aufschleppanlage mit Schiebebühne am Bunker Keroman I und II

 

By Majortom7 (Own work (Original text: selbst erstellt)) [CC BY-SA 2.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

 

Die Dombunker

Am Ende eines Beckens des Fischereihafens befand sich zu Beginn der deutschen Besatzung im Juni 1940 schon eine Slipanlage für Fischerboote, die in einer Drehscheibe endete, um die sechs Dockplätze sternförmig angeordnet waren. Diese Anlage wurde von den Deutschen konstruktiv verstärkt, um zumindest U-Boote des kleinen Typs II aufschleppen und abstellen zu können. Zwei der Dockplätze wurden im Jahr 1941 mit rund 80 m langen zeltartigen Bunkerkonstruktionen überdacht, die Betonstärken von 1,5 m aufweisen. Das Schutzprinzip setzte hierbei weniger auf die Materialstärken, als auf die Dachform, die ein Abgleiten der Fliegerbomben bewirken sollte. Die Stirnseiten der Bunker waren mit Stahlschiebetoren gesichert.

 

Der Scroff-Bunker

Das nächste ausgeführte Bunkerprojekt war ein Komplex mit zwei Nassboxen für vier Boote, der im Kriegshafen, nahe der Mündung des Flusses Scorff in den Blavet, unweit des Lorienter Stadtzentrums errichtet wurde. Der Bunker ist 145 m lang, 51 m breit und 15 m hoch. Die Betondecke weist eine Stärke von 3,5 m auf, wegen des schlammigen Untergrundes konnte keine stärkere Decke eingebaut werden. Aus statischen Gründen hielt man auch eine spätere Verstärkung für nicht geboten. Da überdies der Zufahrtsbereich zu den Boxen und diese selbst starken Schlammablagerungen ausgesetzt waren, die häufig ausgebaggert werden mussten, wurde der Bunker letztlich nur bis zur Fertigstellung von Keroman I/II als Liegeplatz für U-Boote verwendet und diente danach als Werkstatt für U-Boot-Türme.

 

Keroman I und II

Die ersten in Lorient – auf der Keroman genannten Landzunge – errichteten Großbunker konnten wegen des felsigen Bodens nicht ohne weiteres in der sonst üblichen Bauart (mit Boxen auf Meereshöhe) ausgeführt werden, bei der die U-Boote mit eigener Kraft in die Boxen verholten. Der felsige Untergrund garantierte aber die Tragfestigkeit für eine massive, bombensichere Betondecke. Man verzichtete auf Sprengungen und baute auf dem Felsgestein.

Um die U-Boote auf das deshalb mehrere Meter über dem Wasserspiegel liegende Niveau zu befördern, wurde eine Aufschleppanlage mit einem keilförmigen Wagen konstruiert. Diese befand sich an der dem Fluss zugewandten Seite von Keroman I und war ebenfalls überbunkert. Die Boote befuhren am Fußende der tunnelartigen Anlage einen Dockwagen, mit dem sie nach dem Aufschleppen auf eine Schiebebühne mit Verschiebewagen übergesetzt wurden. Diese Bühne verlief zwischen den beiden Bunkern, so dass mit ihrer Hilfe alle Abstellboxen in Bunker I (5 trocken für jeweils ein Boot) und II (7 trocken für je ein Boot) erreicht werden konnten.

Die gesamte Prozedur vom Befahren des Dockwagens bis zum Verbringen in den Bunkerstand nahm etwa 35 Minuten in Anspruch. In Keroman II befand sich zudem eine Box für die insgesamt zwei Verschiebewagen, die im oberen Bereich mit Kaserneneinrichtungen für 1000 Mann versehen war.

Die beiden Bunker waren im September (I) und Dezember 1941 (II) fertiggestellt und weisen Deckenstärken von 3,5 m auf.

 

Keroman III

Der nächste Bunker entstand an der Spitze der Landzunge in herkömmlicher Bauart mit 2 Nassboxen und 5 Boxen, die, mit Docktoren ausgestattet, als Trockendocks ausgeführt waren. Im Gegensatz zu den Dombunkern und Keroman I und II war wegen der unterschiedlichen Größe seiner Boxen (für ein bis drei Boote) eine Gesamtkapazität von 13 Liege- bzw. Dockplätzen gegeben. Das Verholen der Boote erforderte hier weit weniger Aufwand als bei der Aufschleppe.

Der Bunker war im Januar 1943 fertiggestellt. Er misst 170 m in der Breite, 138 m in der Länge und ist 20 m hoch. Die Decken sind gegenüber den Vorgängerbauten I/II auf bis zu 7,5 m verstärkt und wurden im Verlauf des Krieges mit Fangrosten[2] ergänzt, allerdings nicht auf der gesamten Dachfläche.

 

Keroman IV

Ein weiterer Großbunker, der, nordöstlich von Keroman I gelegen, vom Fischereibecken aus über eine Hebebühne erreichbar sein und Platz für 24 Boote des modernen Typs XXI bieten sollte, wurde nur noch in Teilen fertiggestellt (Keroman IV a), ein Ergänzungsgebäude (IV b) nur noch geplant. Alle Arbeiten wurden im April 1944 eingestellt.

Im Umfeld der U-Boot-Bunker wurden außerdem sechs 40 × 23 m große Bunker zur Lagerung von Torpedos errichtet.

 

Die Bunker heute

Nach Jahren der Nutzung durch die französische Marine sind alle Bunkeranlagen zivilen Zwecken zugeführt oder liegen brach.

Die Bunker stellen für die Kommune Lorient insgesamt ein großes Problem dar, da sowohl die Nutzung und Unterhaltung als auch der Abriss der Gebäude finanzielle Aufwendungen erfordern, die die Möglichkeiten der Kommune übersteigen. Daher hat die Stadt beschlossen, die U-Bootbasis in ein touristisches Konzept einzubinden. Für die Halbinsel Keroman sieht dieses vor, neben der wirtschaftlichen Nutzung von Keroman I und II das Gelände, den Tauchturm und Keroman III als Anschauungsobjekt bestehen zu lassen sowie das Hafenbecken zum Sportboothafen umzufunktionieren.

(Quelle: Wikipedia)

 

Koordinaten:   47°43'38.9"N 3°22'05.7"W

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